Pferdeversorgung im Notfall: Stallapotheke

Seit gestern gibt es in Sachsen verstärkte Ausgangsbeschränkungen. Auch wenn sie mich beruflich nur am Rande betreffen- der Tätigkeit in einem „systemrelevanten“ Job sei Dank- schränken sie doch im privaten Bereich sehr ein.

Besuche bei Mount Juliet sind nur noch für Alex und mich jeweils alleine möglich und sollen auch auf das absolut notwendige Maß beschränkt werden. Damit MJ aber im Notfall so gut wie möglich versorgt ist, habe ich natürlich schon einige Vorbereitungen getroffen. Seine Impfungen sind selbstverständlich alle aufgefrischt und auch wenn sein Tierarzt weiterarbeitet, habe ich seine Stallapotheke auf den notwendigen Stand gebracht.

Damit alles seinen festen Platz hat und wir im Notfall nicht noch suchen müssen und auch MJs Pflegebeteiligung sofort weiß wo etwas ist, habe ich einfach eine Putzkiste umfunktioniert.

Enthalten sind:

  • ein Fieberthermometer für Großtiere; ein normales geht natürlich auch, dabei aber mit Faden und Klammer dafür sorgen, das es nicht „eingesogen“ wird
  • Verbandsmaterial, steril und unsteril
  • Einweghandschuhe
  • Kältekompressen zum Sofortgebrauch (Knickeis, gibt es in der Apotheke und funktioniert wie die Handwärmer)
  • Babywindeln für Hufverbände
  • Panzertape
  • Heilerde, gibt es schon fertig in der Tube
  • Betaisodona, sowohl als Salbe als auch flüssig
  • Zink-/Wundsalbe
  • Colosan
  • eine gereinigte Spritze ohne Nadel (ich habe einfach eine vom Metacam genommen)
  • Diathyyl zur Kühlung (kann auch auf kleinere Wunden aufgetragen werden)
  • Percutin
  • Zinkspray
  • Tensolvet
  • Desinfektionsmittel
  • Rivanol
  • ASS- Tabletten
  • Sprühpflaster (wir haben gute Erfahrungen mit dem Drachenblut- Sprühpflaster von Effol gemacht)
  • eine „normale“ Schere und eine Schere für Verbandsmaterial
  • und natürlich, ganz wichtig, eine Liste mit Notfalltelefonnummern vom Tierarzt, einem „Ersatz- Tierarzt“ und der Tierklinik

Auch wenn ich glaube, dass wir für eine Erstversorgung ganz gut ausgestattet sind, würde ich im Zweifelsfall immer den Tierarzt anrufen. 

 

Update zu Mount Juliet

Auch wenn es hier in den letzten Monaten ziemlich ruhig war, ist doch umso mehr passiert:

Mount Juliet hatte Anfang Dezember leider einen Paddockunfall- er wurde von einem anderen Pferd getreten.

Aber Glück im Unglück… zwei Miteinsteller haben es gesehen und mich sofort informiert, so dass schon nach kurzer Zeit der Tierarzt da war. DIagnose: eine angebrochene Kniescheibe! Für Mount Juliet bedeutete das: zwei Monate strenge Boxenruhe, nur unterbrochen von kurzen Runden im Stall. Unsere gesamte Weihnachtszeit bis in den Februar hinein bestand also darin, bis zu viermal am Tag zu MJ zu fahren, um mit ihm drei Runden in der Stallgasse zu laufen-was wir aber dank Alex und Maria wunderbar hinbekommen haben.

Seit Anfang Februar darf er sich nun endlich wieder wieder regulär bewegen und verbringt seine Nachmittage auf seinem Einzelpaddock und auch wieder mit Alex bei Spaziergängen.

 

Und Corona? Schränkt leider auch unseren Tagesablauf ein. Stallbesuche sind nur noch einzeln und nur für dringende Versorgungen möglich, Besuche von Freunden und Familie sind nicht mehr gestattet.

Halali in Dresden- Seidnitz: letzter Renntag der Grasbahnsaison

Buß- und Bettag, in Sachsen ein Feiertag, ist traditionsgemäß immer ein Renntag in Dresden und gleichzeitig auch der Abschluß der Grasbahnsaison. Auch wenn das Wetter November-typisch nasskalt war, hat sich der Renntag doch gelohnt: viele Besucher, gut besetzte Starterfelder und hohe Wettumsätze.

 

Zwei Jahre Mount Juliet- eine Zwischenbilanz

Am 28.10.2017 ist MJ sein letztes Rennen gelaufen, am 3.11.2017 habe ich den Kaufvertrag unterschrieben und nur 5 Tage später, am 08.11.2017 ist Mount Juliet dann direkt vom Rennstall in sein neues Zuhause, einen Reiterhof gezogen. Mehr als zwei Jahre ist das alles nun inzwischen her- Zeit für ein kleines Zwischenfazit!

Kindheitstraum eigenes Pferd? Nein, ganz sicher nicht, ich war nie so ein typisches Pferdemädchen mit Reitunterricht und Pferdepostern im Kinderzimmer. Die Anschaffung eines eigenen Pferdes, noch dazu eines (Ex-) Rennpferdes direkt von der Bahn kann man also getrost als Schnapsidee bezeichen- ich würde nicht widersprechen! Trotzdem, hergeben würde ich meinen „Kronprinz von Hoppegarten“ (ich nenne ihn so, da er zwar in Hoppegarten gewonnen hat, aber ein anderes Ex-Rennpferd in MJs Stall mehr Siege als er dort geholt hat) nie wieder- auch wenn er mein Leben ziemlich stark verändert und Prioritäten verschoben hat!

Geld: ein Großteil meines Einkommens wird inzwischen für ihn ausgegeben. Premium Plus Versicherungen, Physiotherapie, teures Mineralfutter, qualitativ hochwertige Ausstattung, ein teurer Stall…auf Shoppingtouren für mich verzichte ich jetzt sehr oft. Ausserdem haben sich die Relationen verschoben: ein Montblanc- Füller wie meine geliebten Starwalker für 450€ war früher eine teure Anschaffung- heute bezahle ich jeden Monat mehr als diese Summe nur für seine Unterbringung im Stall! Eine Auflistung über Kosten bei einem eigenen Pferd gibts hier.

Zeit: Tagesablauf, Urlaubsplanung… MJ steht im Mittelpunkt dessen. Ein Abendbesuch im Stall ist Pflicht für mich, falls weder Alex noch ich dies gewährleisten können muss eine Vertretung organisiert werden. MJ braucht Bewegung und sein Müsli jeden Abend, ausserdem müssen seine Hufe kontrolliert werden. Ich gebe zu, ich hab mich bei ihm so ziemlich zur Helikopter- Pferdemama entwickelt- früher fand ich so ein Verhalten von nicht nachvollziehbar bis lächerlich- inzwischen bin ich selbst so!

Kleidung: in Jogginghose und sogar noch ungeschminkt auf die Straße und vielleicht sogar in diesem Aufzug direkt vom Stall noch einkaufen oder Essen gehen? Nie im Leben! Doch, inzwischen schon und- Überraschung!- man wird nicht hinausgeworfen und sogar bedient!

Hobbies: Wie oft ich in den letzten zwei Jahren im Kino war, kann ich an einer Hand abzählen, in Galerien, Ausstellungen und Theater sogar noch weniger. Früher habe ich mich über jede Einladung zu einem Event gefreut, inzwischen nehme ich kaum noch welche davon an… und es fehlt mir gar nicht!

Gesundheit: Objektiv gesehen ging es mir gesundheitlich in den letzten zwei Jahren nicht sehr gut, langwierige Behandlungen haben ein dreiviertel Jahr von 2018 bestimmt, eine unschöne Diagnose kam dann zum Jahresanfang 2019 dazu; subjektiv ging es mir aber kaum jemals besser als jetzt: (leichte) körperliche Arbeit mit viel Zeit an der frischen Luft tun eben doch gut!

Sorgen: Früher: Welche Handtasche nehme ich morgen? Jetzt: wie entwickeln sich die Heupreise? Wie geht es mit dem Stall weiter?

Familie/ Freunde: Alex war zwar von der Idee „eigenes Pferd“ (und dann auch noch ganz speziell dieses Pferd!) zu Beginn alles andere als begeistert, inzwischen ist er aber zur wichtigen Bezugsperson für MJ geworden und unverzichtbar bei dieser ganzen „Pferdesache“. Für seine Unterstützung (auf die ich mich immer verlassen kann) bin ich jeden Tag wieder sehr dankbar und MJ ganz sicher für die schönen langen Spaziergänge- auch wenn sowohl MJ als auch ich es nicht immer zeigen! Grundsätzlich funktioniert es nur mit Unterstützung, sei es bei der Umschulung (danke Dana!) oder bei der täglichen Hilfe im Stall. Und sonst? Treffen mit der Familie finden inzwischen fast ausschließlich am Stall statt…ich bin ja sowieso her dort als zuhause anzutreffen!