„Deutsche Mythen seit 1945“ Ausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig

Ich muß ja zugeben, so richtig konnte ich mir unter dem Ausstellungstitel „Deutsche Mythen seit 1945“ nichts vorstellen. Natürlich gibt es deutsche Mythen, zum Beispiel der im Kyffhäuser schlafende Kaiser Barbarossa, aber nach 1945? Wohl eher nicht.

Beim genaueren Nachdenken gibt es diese Mythen aber doch… welcher DDR-Bürger ist nicht mit dem Mythos eines antifaschistischen Staates aufgewachsen? Neonazis? Ein Thema in der ehemaligen BRD, aber natürlich nicht in der DDR. Über die damalige Szene wurde erst viel später durch die Veröffentlichungen von Ingo Hasselbach etwas bekannt. Auch in der BRD gab es Mythen- angefangen beim Gründungsmythos und Neubeginn in der „Stunde Null“ bis zum gemeinsamen Mythos der Wende 1989- wer weiß schon, das damit die Deutsche Einheit längst nicht beschlossen war und wieviele Verhandlungen bis zur Wiedervereinigung notwendig waren?

Die neue Ausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum nimmt sich dieser und vieler weiterer Mythen in seiner neuen, umfangreichen Sonderausstellung an.

Eingegangen wird dabei auch auf moderne Mythen wie „Wir sind Papst“ , „Sommermärchen 2006“ und „Du bist Deutschland“, also die Versuche gezielter Mythenbildung durch Kampagnen von Wirtschaft, Medien und Politik.

Wie immer ist die Ausstellung mit hochkarätigen Exponaten ausgestattet, so gibt es zum Beispiel den original Nobelpreis zu sehen, den die EU 2012 verliehen bekommen hat oder das „Silberne Lorbeerblatt“ vom Fussballer Fritz Walter. Unterstützt wird sie durch zahlreiche Videobeispiele und interaktive Teilnahmestationen, die ich gestern während der Eröffnung gar nicht alle nutzen konnte.

Dem neuen Direktor Dr.Jürgen Reiche, seit Jahresbeginn im Amt, ist damit eine sehr ansprechende und interessante Auftaktausstellung gelungen, deren Besuch ich jedem ans Herz legen möchte. Zu sehen ist sie bis zum 15.01.2017 jeweils Dienstag bis Sonntag von 09 – 18 Uhr (Sonntags von 10 – 18 Uhr), der Eintritt ist dabei wie immer frei.

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