Parallelgesellschaft Numismatik und Kulturschock

Vor einer Woche fand mein „Abtauchen“ in die „Parallelgesellschaft“ Numismatik statt. Seit Julianes und meinem Besuch bei den Münzfreunden des Schwedter Kulturbund eV konnte ich dort den Kontakt halten und habe die Einladung zur gemeinsamen Zugfahrt zu World Money Fair in Berlin – eine der größten Münzmessen Europas – gerne angenommen. Dort kamen wir ca. 11 Uhr an und entrichteten den Eintritt von 9 Euro pro Person. Der Zusammenhalt unsere Gruppe überstand mit Mühe noch den Einlass und die Garderobe, allerdings nicht mehr die ersten Händlertische und spätestens als ich in die große Haupthalle der Messe gelangte war mir jeder der Gruppe aus den Augen verschwunden und im großen Getümmel untergegangen. So machte ich mich dann alleine daran die Messe zu entdecken. Der erste Eindruck war für mich überwältigend, ich hätte nie gedacht, dass sich so viele Menschen für Münzen interessieren und Münzen gab es hier reichlich. Scheinbar mehr als im Geldspeicher von Onkel Dagobert. Nach einigen Messeständen, fiel mir auf, dass einige Stände offenbar auch Münzen verschenkten. Wirklich? Hier wird Geld verschenkt? „Nein, natürlich nicht!“ war die erste knappe Antwort und auf meine interessierte Nachfrage: „Die sind nur für das Messealbum.“ Ein solches Album habe ich dann am Einlass für 10 Euro erwerben können. So und damit ging für mich die Messe erst richtig los. Die Sammelleidenschaft hatte mich gepackt und ich tingelte über die Messe von Stand zu Stand um mein Album zu füllen. Nach wenigen Stunden verließ ich die Messe mit dem beglückenden Gefühl eines vollständigen „Passport“ in Richtung Leipzig.

Auf der Fahrt nach Leipzig machte ich im Zug eine Bekanntschaft mit einem älteren Herren. Dieser sprach kein Wort deutsch und hielt mir einen Zettel hin. Darauf stand: „Ich möchte zu meiner Familie nach Leipzig fahren. Können wir zusammen fahren?“ Diese Frage bejahte ich und er zeigte mir einen weiteren Zettel auf dem stand eine Leipziger Adresse und ein Telefonnummer hinter der „Grimma“ zu lesen war. Ich fragte also mit Händen und Füßen ob er nicht nach Grimma muss… Hmm, wir mussten unbedingt unsere Kommunikation verbessern … nach einigem Gestikulieren erfuhr ich das er Fārsī spricht – Persisch also … Nun dank Smartphone Übersetzer hatten wir nun eine sichere Verständigung – naja zumindest verstand er mich.

Ich erfuhr, das Raschid (wie er hieß) aus Afghanistan kommt und ihm von den Taliban ins Bein geschossen wurde weshalb er humpelt. Er versuchte mich etwas zu fragen, was ich nicht verstand. Dann zeigte er auf sein Handgelenk und ich verstand „Uhrzeit“. Also zeigte ich auf die große Digitalanzeige im Zug. Das half ihm aber offenbar gar nicht denn erfragte immer weiter und versuchte mir eine Uhr zu zeichnen. Also zeigte ich ihm die Uhr auf meinem Smartphone (auch nur eine Zahlenanzeige). Dann begriff ich, dass er die in Deutschland gebräuchlichen Arabischen Ziffern nicht lesen konnte sondern eine Zeigeruhr brauchte. Kein Problem – Smartphones können auch das.

In Leipzig angekommen fragte ich Ihn ob wir zusammen mit der Straßenbahn zu der Adresse fahren wollen. Er meinte zwar „Taxi“, aber ich konnte ihn überzeugen, mit mir die Straßenbahn zu nehmen. Bei der richtigen Straße musste ich dann erstaunt feststellen, dass die Hausnummer von Raschids Zettel gar nicht vorhanden war. Ich hatte sofort, die Befürchtung, das Raschid eigentlich nach Grimma musste. Nach gefühlten endlosen Telefonaten mit der Handynummer von Raschids Zettel hatte auch er die Gewissheit – er war in der falschen Stadt und nun sehr verzweifelt. Ich suchte ihm erst einmal einen Sitzplatz und versprach im ihn zurück zum Bahnhof zu begleiten. Dort telefonierten wir noch einmal und Raschid sollte nur auf seinen Sohn warten, der ihn am Hauptbahnhof abholen wollte. Wir verabschiedeten uns herzlich.