Die Schutzflehenden/ Die Schutzbefohlenen am Schauspiel Leipzig

Seit ca. 2 Monaten vergeht keine Nachrichtensendung, keine Talkshow ohne das Flüchtlingsthema. Auch das Schauspiel Leipzig nimmt sich mit der Inszenierung „Die Schutzflehenden/ Die Schutzbefohlenen“ (Aischylos/Jelinek)  diesem Thema an. Obwohl das Stück von Elfriede Jelinek an mehreren Häusern zu sehen ist, gibt es die Kombination vom antiken Vorgängen zum ersten Mal in einer Inszenierung.

Regie führte dabei Intendat Enrico Lübbe. Ich habe bisher alle seine Inszenierungen seit Beginn seiner Intendanz 2013 gesehen und war leider von keiner so richtig begeistert. Das sollte sich zur Premiere am Freitag aber ändern! Während der erste Teil im Stil vom antiken Maskentheater mit einem umfangreichen Chor gehalten war, wurden im zweiten Teil moderne Elemente wie Videoaufzeichnungen genutzt. Die Kostüme des Chores aus dem ersten Teil dienen dafür als Leinwand. Das ist aber auch schon die einzige Verbindung zwischen beiden Stücken, die geglückte Aufnahme der Fremden, Töchter des Danaos im Stück von Aischylos und der Ablehnung der Fremden bei Jelinek werden dadurch direkt gegenübergestellt. Ausnahmen, geglückte Integration,  gibt es aber auch bei ihr: sowohl die Tochter von Boris Jelzin als auch Anna Netrebko werden gern aufgenommen.  Auf Provokation und Gefühlsduselei wird verzichtet, der Schwerpunkt wird auf überall vorhandenen Alltagsrassismus gelegt.

Am Ende, nach  zwei Stunden, ist die Bühne in Form einer Rampe oder eines Schiffsrumpfes ein einziges Chaos, ein Aufenthalt für den Chor dort nicht mehr möglich. Auch dort ist nur eine Flucht möglich, und zwar direkt in den Zuschauerraum. Für mich war ein ein rundum gelungener Theaterabend mit einer beeindruckenden Inszenierung!

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