Eselwanderung in der Uckermark

Geplant haben wir unseren Wanderurlaub mit besonderer Begleitung, einem Esel, schon im Dezember letzten Jahres. Zuerst habe ich mich auch wirklich darauf gefreut, doch als es dann konkreter wurde, hatte ich dann doch Bedenken, ob eine Mehrtageswanderung mit einem Esel so gut klappen würde. Natürlich ging es aber trotzdem los. Alex und ich fuhren zuerst mit dem Zug nach Wilmersdorf, wo wir von unserer Shuttle-Dame Nadin abgeholt wurden, zusammen mit noch zwei anderen Eselfreunden. Am eigentlichen Startpunkt war die Überraschung groß: statt wie erwartet und erhofft bekamen wir nicht einen Esel für uns beide, sondern… jeder einen, die beiden hübschen Geschwister Emil und Elli. Uns wurde sowohl die Strecke als auch der Umgang mit den Eseln kurz erklärt, das Gepäck inklusive gut gefüllter Lunchbox wurde auf Elli verstaut und dann ging es auch schon los.

1.Tag

Suckow- Voßberg- Groß Fredenwalde- Klein Fredenwalde

Zusammen mit den beiden anderen Eselwanderern und ihren Eseln Olivia und Esmeralda marschierten wir los. Doch schon an der ersten Wiese wartete eine Überraschung auf uns: Esel Elias (ein Fernsehstar, bekannt aus der zweiten Staffel von „Kesslers Expedition“ im RBB) und seine Begleiterin. Elias hatte es sich auf der Wiese gemütlich gemacht und war nicht dazu zu bewegen, weiterzulaufen. Nachdem er allerdings seine Eselfreunde gesehen hatte, gab es auch für ihn kein Halten mehr!

An der Abzweigung nach Voßberg trennte sich unsere kleine Eselkarawane: wir bogen ab, die anderen liefen in Richtung Flieth weiter. Inzwischen war es Mittag geworden und natürlich: Emil und Elli hatten Hunger! Bei einer Rast auf einer schönen Wiese unter schattigen Bäumen genossen auch wir unser reichhaltiges Lunchpaket.

Nach ungefähr einer Stunde brachen wir dann wieder auf und erreichten nach kurzer Zeit Voßberg, natürlich immer unterbrochen von kleinen Essenspausen für unsere Eselfreunde. In Voßberg war der Weg nach Groß Fredenwalde schnell gefunden. Dieser Weg war für Emil und Elli ganz besonders schön: das viele Fallobst ist eine wahre Delikatesse für die beiden. Kurz nach Groß Fredenwalde haben wir nochmals eine längere Pause eingelegt, und nach einer weiteren Stunde wandern kamen wir in Klein Fredenwalde an.

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Am Ortseingang des sehr kleinen Ortes fanden wir zu unserer großen Freude ein Gehege mit Ziegen vor, und auch Emil und Ellli schienen davon so angetan, daß sie gar nicht mehr davon wegwollten. Dank gutem Zureden und langem Warten kamen wir aber doch um 18 Uhr zu viert an der Unterkunft an und erfuhren dort auch, warum Emil und Elli nicht vom Ziegengehege weg wollten: direkt daneben ist auch ihr Nachtquartier! Schlaue Esel!

In unserer ersten Unterkunft erwarteten uns nicht nur sehr freundliche Gastgeber und Labradordame Emma, sondern auch auch ein schönes Zimmer mit bequemen Bett und einer Dusche mit warmen Wasser. Nach einem leckeren Abendessen, bestehend aus Salat mit Gemüse aus dem eigenen Garten, Bratwürstchen, Brötchen und leckerer selbstgemachter Salbeibutter brachten wir unseren Begleitern noch ihre abendliche Ration Wasser und fielen dann todmüde ins Bett (ich zumindest). Am nächsten Tag sollte es schon um 8 Uhr Frühstück geben!

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2. Tag

Klein Fredenwalde- Groß Fredenwalde- Weinberg- Willmine- Böckenberg- Berkenlatten

Frühstück um 8 Uhr! Im Urlaub! Für mich eigentlich viel zu zeitig, aber unser Gastgeber sollte mit seiner Zeitplanung Recht behalten. Unsere Wanderstrecke führte uns zuerst zurück nach Groß Fredenwalde, aber da natürlich auch die Esel frühstücken wollten, legten wir schon nach wenigen Metern die erste Pause ein. In Groß Fredenwalde suchten wir den richtigen Abzweig, fanden aber wahrscheinlich nicht genau den gemeinten. Aber für unsere Esel hatte auch das Vorteile: kurz hinter dem Weinberg trafen wir auf ihre Eselfreundin Rosi, die sich mit ihren Begleitern gerade erst auf den Weg gemacht hatte.

Einen Teil der Strecke liefen wir gemeinsam, oder versuchten es zumindest. Da insbesondere meine Eseldame Elli sehr viel und sehr oft Hunger hatte, war ein Weiterkommen für meine Vorstellungen nur sehr langsam möglich. Auf dieser Wegstrecke war ich ständig sehr kurz davor, unsere Notfalltelefonnummer anzurufen und mich abholen zu lassen. Alex hat dann aber schnell beide Esel übernommen und kam mit beiden zusammen besser klar als ich mit Elli allein. Gemeinsam beschlossen wir aber, den Weg etwas abzukürzen. Durch Willmine durch, an Klein Fredenwalde vorbei (ja, da wo wir früh losgelaufen sind- die Route war aber so geplant!), dort bekamen die beiden jeder erstmal eine Möhre, liefen wir bis nach Böckenberg. Dort sollten wir eigentlich nach Arnimswalde abbiegen, wir aber nahmen den direkten Weg nach Berkenlatten, natürlich mit genug Pausen für unsere Esel und uns.

In Berkenlatten war eine Übernachtung im Straußenhof für uns geplant. Ich muß zugeben, meine Freude darüber hielt sich zuerst sehr in Grenzen: beschrieben war eine Freilanddusche und eine Übernachtung direkt bei den Eseln unter dem Sternenhimmel. So war es dann ja eigentlich auch, nur eben viel besser. Der Besitzer Herr Rätz begrüßte uns sehr herzlich und zeigte sowohl uns als auch den Eseln das Nachtquartier: die Esel erkannten ihren Stall sofort und ich war sehr positiv überrascht: unsere Unterkunft war im Eselgehege, allerdings in einem hübschen Holzhaus mit einem niedlichen Mond und Schlafschäfchen.

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Auch richtige Betten warteten auf uns! Das Häuschen mit der Biotoilette war sehr sauber, und auch die Dusche war nicht „Freiland“, sondern eben auch mit dort. Natürlich ist das Wasser nur kalt, aber eine Dusche mit warmen Wasser wurde uns auch angeboten. Und das Gehege: was gibt es Schöneres, als am Morgen von Gänsegeschnatter und durch die Fenster schauenden Eseln geweckt zu werden?

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Elli und Emil waren allerdings nicht die einzigen Esel dort: Elias, den wir bereits am ersten Tag kennengelernt haben, hat dort auch zusammen mit seiner Begleiterin Unterkunft gefunden. Nach einer kurzen Erfrischung unter der Dusche war auch schon Zeit für das Abendessen. Mit Straußenfleisch hatten wir gerechnet, dass es allerdings so viel und so gut sein würde habe ich nicht erwartet! Ein großer Salat, eine Folienkartoffel mit Sauerrahm, Straußenbratwurst, Straußenbulette und sogar ein Straußensteak warteten auf uns. Auch wenn ich Fleisch sonst vermeide, musste ich diese Besonderheiten natürlich probieren. Die Bulette und die Bratwurst waren sehr gut mit Majoran gewürzt und viel zarter als die Schweinefleischvariante, das Steak war perfekt gegrillt. Dazu gab es noch gemischtes Gemüse und frische Brötchen- natürlich selbstgebacken. Komplett satt unternahmen wir noch einen kleinen Spaziergang und dann war auch dieser Tag für uns und unsere Eselchen schon wieder vorbei.

3.Tag

Berkenlatten- Böckenberg- Flieth- Suckow

Am Mittwoch frühstückten wir erst um 9 Uhr, an einem großen, sehr reichhaltig gedeckten Frühstückstisch zusammen mit der Inhaberfamilie. Alex bekam sogar ganz frisch gepflückten Pfefferminztee zu trinken. Es gab natürlich wieder die leckeren frischgebackenen Brötchen und als Belag z.B. Straußensalami und Straußenleberpastete. Beides kann man auch im eigenen Hofladen kaufen. Unsere Tour war ja als „Kulinarische Tour“ gekennzeichnet, das Essen im Straußenhof machte dieser Bezeichnung alle Ehre. Unser Besuch war leider zu kurz, um den ganzen Hof zu besichtigen, so haben wir den Barfußpfad überhaupt nicht nutzen können, aber das bedeutet nur eins: wir kommen wieder!

Für den Rückweg nach Suckow hatten wir zwei Möglichkeiten: einen langen und einen kurzen Weg. wir beschlossen, beide zu einem mittellangen zu kombinieren. Den ersten Teil des Weges liefen wir zusammen mit Elias und seiner Begleiterin, in Böckenberg mussten wir uns aber trennen. Kurz hinter dem Ort legten wir unsere Frühstückspause ein und besahen uns den Weg nach Flieth auf der Karte.Es sollte an ein paar Hügelgräbern vorbei gehen, wo uns Eselschilder den richtigen Weg weisen sollten. Die fanden wir zwar auch, nahmen aber wahrscheinlich trotzdem eine falsche Abzweigung.

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Schnell waren wir aber wieder auf dem richtigen Weg nach Flieth. Dabei kamen wir auch an einem Maisfeld vorbei. Da wir von Elias wussten, wie gern Esel Mais futtern, fanden wir natürlich ein paar Kolben. Kaum hatte Elli sie in meiner Tasche erspäht, konnte auch sie auf einmal sehr schnell laufen! Der weitere Weg verlief ohne Besonderheiten, nachdem wir Flieth durchquerten kamen wir gegen 17 Uhr wieder in Suckow an und mussten uns leider von unseren Lieblingen verabschieden.

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Auch wenn ich mich insbesondere über Elli sehr oft geärgert habe, fiel mir der Abschied von beiden sehr schwer. Im Nachhinen muß ich zugeben, das Elli gar nicht so stur wahr wie ich gedacht habe, sondern sich eben nur wie eine Eseldame verhalten hat. Sie war sehr gutmütig und hat unser Gepäck ganz toll getragen. Es ist definitiv eine ganz besondere Erfahrung mit Eseln zu wandern, ich bin mehr als einmal an die Grenzen meiner Geduld und körperlichen Belastbarkeit gekommen. Alex bin ich sehr dankbar, das er es auch geschafft hat, sich um zwei Esel zu kümmern. Trotzdem sind wir beide der Meinung, dass wir diese Wanderung im nächsten Jahr wiederholen- dann aber mit 4 statt 3 Tagen!