Die Karawane zieht los- unterwegs mit der Stadtkarawane

Schon vor ein paar Jahren erzählte mir eine damalige Kollegin beim Dokfestival von einem Projekt, welches sie im Studium entwickelt hat: die Stadtkarawane. Worum geht es dabei? Man lernt Leute, Projekte, Einrichtungen in Leipzig kennen, von denen man vielleicht schon mal was gehört hat, vorbeigelaufen ist, einen direkten Einblick aber noch nicht bekommen hat. Man meldet sich für einen Termin an und bekommt einen Tag vor der Karawane eine Mail mit Treffpunkt und Uhrzeit. Beim Treffpunkt angekommen, gibt ein paar Informationen: wer die Gastgeber sind und wie die zeitliche Planung ist. Diese Infos gibt es auch auf einem Laufzettel pro Gruppe, auf dem auch eine kurze Wegbeschreibung steht. Und dann geht es auch schon los- allein mit der Gruppe, ohne Stadtführer! Heute war ich nun in einer kleinen, aber sehr netten Gruppe unterwegs, wir waren nur zu dritt.

Unsere erste Station war die autodidaktische Initiative in der Georg- Schwarz-Straße, also fast zuhause.

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Dort ist zwar eigentlich bis zum 04.August Umbaupause, für uns war aber trotzdem geöffnet. Johanna erzählte uns über die Geschichte der ADI, die dort stattfindenden Projekte und Arbeitsgemeinschaften, aber auch von den Schwierigkeiten der Finanzierung und der Gewinnung neuer Zielgruppen. Eine Stunde war dafür eingeplant, und die war sehr schnell vorbei!

Anschließend machten wir uns auf den Weg in die Zschochersche Straße 55 zur zweiten der insgesamt drei Stationen- und auch zu der, auf die ich am meisten gespannt war: zum Hare Krishna Kulturverein.

IMG_4019Natürlich habe ich die orange gekleideten Leute schon öfters in der Innenstadt beim Singen gesehen, aber das waren bisher meine einzigen Berührungspunkte. Empfangen wurden wir von zwei jungen Männern, die uns einen Einblick in ihre Religion, ihre Religionspraxis und auch ihren Weg zur Hare-Krishna-Bewegung gaben. Während der gesamten Stunde hatte ich aber stets den Eindruck, das ein Kennenlernen und Information das Ziel war, keine Missionierung, was ich zu Beginn so leicht befürchtet habe. Bewirtet wurden wir auch, und zwar mit Lassi und selbstgemachter Schokolade. Sehr lecker! Im Innenhof wartete dann noch eine ganz besondere Überraschung auf uns: zwei Schweine, die von einem Hausbewohner gerettet wurden und jetzt mitten in der Großstadt wohnen.

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Nach einem kurzen Spaziergang am Karl-Heine-Kanal entlang kamen wir auch schon bei unserer letzten Station an: der Stadtgärtnerei Annalinde, einer gemeinnützigen GmbH, die auf einem ehemaligen Gärtnereigelände soziale urbane Landwirtschaft betreibt. Das dort angebaute Obst und Gemüse durften wir natürlich auch gleich kosten. Dieses kann man sich auch in Form einer wöchentlich gelieferten Biokiste auch nach Hause bestellen, und ab Donnerstag auch immer bei Annalinde in der Lützner Str.108 kaufen.

Leipziger Restaurants werden mit den essbaren Blüten des Borretsch und der Esschrysantheme beliefert und auch Honig entsteht vor Ort.

Insgesamt dauerte die Stadtkarawane fünf Stunden, die wie im Flug vergingen, was auch an den beiden sehr sympathischen Damen in meiner Gruppe lag. Obwohl wir alle drei im Leipziger Westen wohnen bzw. wohnten, war für uns viel Neues dabei. Wir waren alle der Meinung: „Das machen wir nochmal, aber in einer anderen Leipziger Gegend, der Osten wäre toll!“ Ich empfehle die Stadtkarawane jedem, der von Leipzig mal etwas anderes kennenlernen will als nur die typischen Sehenswürdigkeiten und bekannten Orte! Aber: meldet euch für diese Tour allein an, ohne Familie oder Freunde. Denn dann könnt ihr euch richtig auf eure Gruppe einlassen und nette neue Bekanntschaften machen.