Museum für Haustierkunde „Julius Kühn“

Ziemlich zentral in der Nähe des Joliot-Curie-Platzes in Halles Innenstadt, aber doch etwas versteckt, befindet sich in der Adam-Kuckhoff-Str. 35 ein ganz besonderes Museum: das Museum für Haustierkunde, benannt nach seinem Gründer Julius Kühn. Das es dieses Museum überhaupt gibt, habe ich im Museumsführer für Sachsen-Anhalt gelesen. In der vorigen Woche habe ich es besucht.

IMG_3783Das Museum ist in einem ehemaligen Stall untergebracht. Dabei wurde der einstige Stallcharakter des Gebäudes beibehalten. Im Jahr 1988 konnte das Museum feierlich eröffnet werden. Die Ausstellung ist in 5 Abteilungen/Räume unterteilt. Der erste Raum widmet sich dem Gründer Julius Kühn. Anhand von Schautafeln und Fotografien findet eine Würdigung dieses herausragenden Agrarwissenschaftlers des 19. Jahrhunderts statt. Besonderheit ist ein lebensgroßes anatomisches Lehrmodell eines Pferdes aus der Manufaktur des französischen Anatomen Louis Thomas Auzoux (1797-1880). Es wurde Mitte des 19. Jahrhunderts aus der Modelliermasse Papiermaché angefertigt und kann in 150 Einzelteile zerlegt werden.

Der zweite Raum ist mein Lieblingsraum, er zeigt natürlich Ziegen und Schafe. Anhand von Dermoplastiken und Skeletten wird die Entwicklung von Wildtieren zu Zuchttieren gezeigt und auch Besonderheiten sind zu sehen, so zum Beispiel Tiere mit vier Hörnern.

Der dritte Raum ist den Rindern gewidmet. Im Haustiergarten wurden 73 verschiedene Rinderarten gehalten, zu vielen finden sich hier Informationen. Eine große Tafel erinnert an die prominente Hochleistungskuh „Betty“. Sie ist ein schwarz-buntes Milchrind und wurde 19 Jahre alt. In ihrer Lebenszeit wurde mit ihr eine Milchleistung bis zu 131.840 Litern Milch mit einem Fettanteil von 4,88 Prozent und einem Eiweißgehalt von 3,54 Prozent erreicht. Betty brachte 18 Nachkommen bei 17 Geburten zur Welt, darunter einmal Zwillinge.

Der vierte Raum hält Informationen zu Pferden und Eseln bereit. Für die kulturelle Entwicklung der Menschheit haben das Pferd und der Esel eine wesentliche Rolle gespielt. In diesem Ausstellungsraum werden die züchterischen Ergebnisse mit den in der freien Wildbahn inzwischen ausgestorbenen Przewalskii-Wildpferden dargestellt. Im Jahr 1901 war es einer Expedition der Firma Hagenbeck aus Hamburg gelungen, einen größeren Transport von Fohlen nach Europa zu bringen. Julius Kühn erwarb von diesem Transport je ein Hengst- und ein Stutfohlen für den Haustiergarten.

Der letzte Ausstellungsraum ist dem Hausschwein und dem Haushund vorbehalten. Auffallend ist, dass vorrangig Haussäugetiere im Haustiergarten gehalten worden sind und demzufolge auch entsprechend in der Ausstellung Berücksichtigung fanden.
Die Hausgeflügelarten sind im ehemaligen Haustiergarten nur zu Demonstrationszwecken gehalten worden, ebenso einige wichtige Fischarten.
So ist es verständlich, wenn das begrenzte Platzangebot des Museums den Haussäugetierarten vorbehalten bleibt.

Das Museum ist nur auf Anfrage geöffnet, das klappt aber gut, schnell und unkompliziert!

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