„Besser Anders – Subkulturen zwischen Rebellion und Anpassung“

Es ist Pfingsten! In Leipzig heißt das seit 1992: es ist Zeit fürs Wave- Gotik- Treffen (WGT). Auch wenn ich nicht aktiv am Festival teilnehme, gibt es doch immer wieder Veranstaltungen im Rahmenprogramm, die mich interessieren.

Heute war ich nun zu Gast in der Runden Ecke, in der Behörde für Stasiunterlagen. Dort gab es heute einen Dokumentarfilm zu sehen, der zwischen Juni 2010 und März 2011 in der Leipziger soziokulturellen Einrichtung „Die Villa“ entstanden ist: „Besser Anders – Subkulturen zwischen Rebellion und Anpassung“. Über 30 Leipziger Künstlern und Zeitzeug/innen, unter anderem RENFT, Volly Tanner, Ralf Donis, Makarios von „Die Art“, Schwarwel und Bernd Stracke wurden interviewt. Damit wurde ein Querschnitt Leipziger Untergrundgeschichte geschaffen. Fragen nach dem Lebensgefühl als Jugendliche und Musiker in der DDR, insbesondere in den späten 80er Jahren stehen im Fokus dieser erzählten Geschichte(n). Aber auch das persönliche Erleben der Wendezeit bis in die 90er Jahre wurden beleuchtet und aufgearbeitet.

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Wer den 85- minütigen Film verpasst hat, kann ihn sich hier komplett auf Youtube ansehen.

Ausserdem  gibt es noch bis einschließlich Montag (jeweils 10- 18 Uhr) eine Ausstellung zu sehen: „Kinder der Nacht“ – unangepasst und überwacht— Schwarze Szene in der DDR

Beschrieben wird sie so:

„Mitte der 80er Jahre schwappte eine neue Subkultur – die „Gruftis“ – aus Westdeutschland in die DDR über. Zum Ende der DDR zählte die Staatssicherheit mehr als 600 Anhänger, viele in Ost-Berlin, aber auch in Dresden, Leipzig und Karl-Marx-Stadt. Die Stasi beobachtete sie, erfasste sie in einer Sonderkartei als „negativ-dekadente Jugendliche“ und versuchte, die Szene durch Anwerbung von Spitzeln von Innen heraus zu „zersetzen“. Die Volkspolizei schließlich war beauftragt, ihre Treffen aufzulösen. Ihre Erkenntnisse über die Jugendsubkultur fasste die Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Leipzig 1987 folgendermaßen zusammen: „Die ‚Gruftys‘ halten sich organisiert auf Friedhöfen auf, heben Gräber aus und schlafen in Särgen. Auf den Friedhöfen feiern sie auch ihre Orgien, bei denen Alkohol getrunken und vom ‚harten Kern‘ rohes Fleisch gegessen wird.“

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Dokumente, Fotos und Akten geben einen guten Einblick in die Arbeit der Stasi. Für mich besonders interessant: auch meine Heimatstadt Merseburg mit ihrer schwarzen Szene war mehrmals Thema.

 

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