Das Ende unserer Karwoche

Unser Karfreitag begann sehr früh und für Juliane auch sehr schmerzhaft. Sie hatte sich im Schlaf den Arm ausgerenkt. Weil ich vor dem Fernseher eingeschlafen war und einen sehr gesunden Schlaf habe, hörte ich ihr Schreien nicht. Erst als sie mich auf dem Festnetz-Telefon anrief, wurde ich munter und eilte zu ihr. Da sie sich vor Schmerzen kaum rühren konnte wählte ich den Notruf und wenige Minuten später stand der Notarzt mit Rettungshelfern bei uns in der Wohnung. Nachdem sie Juliane mit schnell wirkenden Schmerzmitteln ruhig gestellt hatten war die Schulter schnell wieder eingerenkt. Zur Kontrolle nahmen sie meine Frau dann mit ins Krankenhaus und sagten mir, ich bräuchte frühestens in einer Stunde im Krankenhaus vorbeikommen um sie abzuholen. So suchte ich mir in der Wohnung etwas Hausarbeit um wach zu bleiben, denn zwischen halb 3 und 4 Uhr ist normalerweise auch nicht meine Wachphase. Aber keine dreiviertel Stunde später klingelte es schon an der Haustür und meine liebe Frau beschwerte sich bitterlich darüber, dass ich sie nicht abgeholt hätte… … nach kurzer Restschlafzeit fuhr ich dann verspätet nach Renneritz zu meinem Segelflugplatz um mein Baustundenkonto etwas aufzubessern. Juliane konnte dann ausschlafen und sich von der anstrengenden Nacht erholen. Am Nachmittag holte ich dann meine Mutter ab und wir fuhren gemeinsam nach Leipzig. Dort trafen wir nach einem kleinen Zwischenstopp beim Softeismann Juliane an der Nikolaisäule neben der Nikolaikirche. Das war der Ausgangspunkt für unseren seit Wochen geplanten Nachtwächter-Rundgang. Dabei wird eine Stadtführung mit einem Nachtwächters des 18. Jahrhunderts mit vielen Anekdoten, Einblicken und Hintergründen der Zeit durchgeführt. Zum Abschluss gab es noch leckeres Abendessen in „Zills Tunnel“ mit einem guten Schluck Gose dazu. Und so ging der Abend wohlverköstigt für uns zu Ende.

Für den Samstag-Früh hatte ich einen Termin beim Smart-Händler. Thema sollte eigentlich der Verkauf unseres kleinen blauen „Hugo“ sein. Dieser hatte seit Sonntagabend bösen Motorschluckauf. Darauf hin schaffte ich ihn gleich früh am Montag zu seiner Intensiv-Werkstatt. Dort wurde mit einem Endoskop festgestellt, dass sein erster Zylinder wegen des abgebrannten Auslass-Ventil nicht mehr funktioniert. Die sehr hoch angesetzten Reparaturkosten konnten und wollten wir nicht mehr tragen. Deshalb habe ich gleich Montag den Antrag für eine Bahncard 100 ausgefüllt und bin dann hoffentlich ab dem 1.5. ein stolzer Besitzer einer solchen. Aber zurück zu unserem „Hugo“. Wir haben es dann doch nicht übers Herz gebracht den kleinen wegzugeben und so habe ich ihn als ‚ungeheilt entlassen‘ aus der Werkstatt abgeholt und bis zu seinem schönen Carport geschafft. Das ganze hat natürlich den großen Nachteil, das wir für unsere Ziegenbesuche jetzt vorerst auf den ÖPNV angewiesen sind. Damit haben wir im Grund auch kein Problem, nur hatte ich im zarten  Alter von zehn Jahren ein traumatisches Erlebnis mit einer Busfahrt und versuche seitdem Busfahrten zu meiden. Tja, aber was tut man(n) nicht alles für ’seine‘ Ziegen. Also ging es mit zwei Kilogramm Möhren vom Ausgang des Allee-Centers (übrigens sehr hübsch österlich geschmückt) direkt zur nächsten Bushaltestelle. Es war gut, dass wenigstens Juliane den Durchblick hatte, ich bin mit Busfahrplänen immer überfordert. Nach einer gefühlten Irrfahrt kamen wir dann in Markranstädt an und liefen zum ‚Outback‘.

Dort konnten wir mit unseren Möhren nicht nur die Ziegen, Schweine und Kaninchen verwöhnen – auch eine Rotweiler-Hündin schnurbste eine halbe Möhre weg. Als wir bei bestem Sonnenschein unsere Ziegen beobachteten überlegten wir uns, wie wir das schöne Wetter noch nutzen könnten.

Wir entschieden uns dazu Julianes Monatskarte mal voll auszunutzen und bis an den südlichen Rand des MDV-Gebiets zu fahren und so fiel unsere Wahl auf Altenburg. Altenburg ist inzwischen mit der neuen S-Bahnstrecke schnell und bequem erreichbar. Als wir in Altenburg ankamen merkten wir schnell, dass wir uns besser auf die Stadt hätten vorbereiten sollen. So gingen wir einfach in Richtung des Schlosses und hofften auf schöne Stadtansichten. Ich muss sagen, das ich die Stadt faszinierend fand. Ein mittelalterlicher Stadtgrundriss mit der Architektur einer herzöglichen Residenzstadt hatte schon was. Leider waren gefühlte 50% – der Gebäude unsaniert. Für Juliane wird der spontane Trip nach Altenburg wohl in schlechter Erinnerung bleiben. Sie hat ihre geliebte Kosmetik-Tasche dort gelassen und ein nochmaliges Ablaufen des gesamten Wegs brachte ihr die Tasche auch nicht wieder. Schade!